Wie alles begann

In den Sechzigerjahren des Zwanzigsten Jahrhunderts herrschte westlich von Bonn eine nie zuvor gekannte gymnasiale Aufbruchstimmung. Dort,im Amt Duisdorf, gründeten 1961 der Amtsdirektor Jansen und der Oberstudiendirektor Dr. Wilhelm Schüttler das Helmholtz-Gymnasium. Mit enormem persönlichen Einsatz - beide waren schwerkriegsbeschädigt - bauten Dr. Schüttler und sein Vertreter Dr. Heinz Schmeken die Schule auf. Bald stellten sie fest, dass dieses Gymnasium allein dem starken Andrang der Schüler nicht gewachsen sein würde. So wurde 1964 beschlossen, ein Staatliches Gymnasium in Röttgen zu gründen, und Dr. Schmeken mit seiner Leitung beauftragt. Das Duisdorfer Helmholtz-Gymnasium war die gymnasiale Urzelle und entsandte noch zwei weitere seiner Lehrer zum Aufbau von Gymnasien in die Umgebung, darunter Wilhelm Heide 1968 nach Meckenheim.

Nach dieser Vorrede lassen Sie mich bitte zu unserer eigenen Schule und ihren denkwürdigen Anfängen kommen. 1966 begann das Schuljahr noch nach Ostern, und am ersten Tag, dem 20. April, ereignete sich etwas Merkwürdiges, dessen ich mich noch gut entsinne. Ich war 18 Monate vorher vom Auslandsschuldienst in Stockholm zum Helmholtz-Gymnasium gelangt, als Lehrer für Französisch und Englisch. An jenem Tage erschien in der Schule ein freundlicher Herr mit zielbewusstem Gesichtsausdruck und rollendem norddeutschen r, hinter sich etwa 40 Sextaner sowie einige junge Lehrer. Dieser Dr. Karl Roeloffs hatte den Auftrag erhalten, in Duisdorf das zweite Staatliche Gymnasium aufzubauen, weil das erste schon nicht mehr ausreichte. Es gab für diese neue Schule aber noch kein Gebäude, kaum Lehrer, nur die Gastfreundschaft von Dr. Schüttler, etwa ein Jahr lang.

Danach verlor ich die kleine Schar vorübergehend aus den Augen, hörte nur, dass das “Finkenhof-Gymnasium“ sich in Feldhäusern der Bundeswehr zu Füßen des Hardtberges eingerichtet habe. Alles änderte sich jählings am 8. November 1967. Dr. Schüttler rief mich in sein Amtszimmer, teilte mir mit, dass Dr. Roeloffs in das Kultusministerium in Düsseldorf berufen worden sei, und fragte mich, ob ich den weiteren Aufbau des Staatlichen Gymnasiums übernehmen wolle. Kurz, am Samstag, dem 11. November, noch dazu um 11 Uhr 11, wurde mir in einem der Feldhäuser die kommissarische Leitung der Schule übertragen.

Vielleicht lag es an Georg Picht, der 1964 “Die deutsche Bildungskatastrophe“ beschrieben und die zu geringe Abiturientenzahl beklagt hatte. Jedenfalls war im ganzen Land Nordrhein- Westfalen ein gymnasialer Bauboom ausgebrochen.

Einfach in der Struktur und vor allem schnell in der Bauzeit, so entstanden zehn baugleiche Staatliche Gymnasien nach dem Motto “Dach über dem Kopf“. Zwei davon also die Staatlichen Gymnasien 1 und II in Duisdorf. An anderer Stelle war man mit dem Bau schon fertig. Wir, d. h. Herr Dr. Knauf, Herr Berger, Herr Dr. Schablowski und ich, fuhren hin, um von den dortigen Erfahrungen zu lernen und möglichst Fehler bei der Einrichtung der naturwissenschaftlichen Räume zu vermeiden.

Vorerst waren wir jedoch noch ein paar Jahre in den Feldhäusern am Ende der Von-Witzleben- Strasse. „Feldhäuser“, das klingt recht militärisch. Andernorts würde man sie vielleicht “Baracken“ genannt haben. Wir bekamen sie von der Bundeswehr, die den Kindern ihrer Bediensteten ein erstes festes “Dach über dem Kopf“ sichern wollte.